Telepathie
Die Telepathie bezeichnet die unmittelbare Kommunikation zwischen zwei Geistern ohne den Umweg über die gewöhnlichen Sinneskanäle. Gedanken, Emotionen oder mentale Bilder sollen von einem Menschen zum anderen übertragen werden, mitunter über große Entfernungen. Das Konzept gehört in das Feld der Parapsychologie.
Herkunft und Etymologie
Das Wort Telepathie wurde 1882 vom britischen Dichter und Psychisten Frederic William Henry Myers, im selben Jahr Mitbegründer der Society for Psychical Research in London, aus dem Griechischen tele (fern) und pathos (Gefühl, Erfahrung) gebildet. Myers suchte einen neutralen Begriff als Ersatz für thought-transference, die Gedankenübertragung, die damals in spiritistischen Kreisen erforscht wurde. Vor ihm hatten der deutsche Philosoph Carl du Prel und der Physiker William Crookes bereits anekdotische Fälle mentaler Kommunikation beschrieben. Die Society for Psychical Research sammelte schon 1886 ein bedeutendes Korpus von Zeugnissen in Phantasms of the Living (Gurney, Myers, Podmore), 702 analysierte Fälle.
Entwicklung und Tradition
Ab den 1930er Jahren entwickelten Joseph Banks Rhine und Karl Zener an der Duke University standardisierte experimentelle Protokolle auf der Grundlage von Karten (Kreis, Kreuz, Wellen, Quadrat, Stern). In den 1970er Jahren versetzte das von Charles Honorton entwickelte Ganzfeld-Protokoll Sender und Empfänger in getrennte Räume, letzteren in leichten Sinnesentzug. Die Metaanalysen von Daryl Bem und Charles Honorton (1994) belebten eine bis heute lebhafte Debatte. In der UdSSR wurden ab den 1960er Jahren militärische Forschungen in Leningrad (Leonid Wassiljew) und später Nowosibirsk durchgeführt. In der Populärkultur ist die Telepathie allgegenwärtig: X-Men, Star Wars, Stranger Things.
Praktische Anwendung
Die traditionellen Techniken zur Entwicklung der Telepathie beruhen auf Meditation, fokussierter Visualisation und Partnerarbeit. In einer klassischen Übung wählen zwei Personen eine feste Uhrzeit: Die eine sendet mental ein einfaches Bild aus (geometrische Form, Ziffer, Farbe), die andere notiert, was ihr in den Sinn kommt. Die Ergebnisse werden anschließend verglichen. Auf Tarotoui bieten wir keine telepathischen Übungen an: Das Tarot ist ein persönliches Werkzeug der Selbstreflexion, kein Kanal der Kommunikation zwischen Geistern.
Zur Vertiefung
Die Telepathie wurde von der modernen experimentellen Wissenschaft nie nachgewiesen. Die Metaanalysen zum Ganzfeld-Verfahren liefern schwache, umstrittene Ergebnisse, die häufig auf Verzerrungen zurückgeführt werden (Hyman, Wiseman, Milton). 2011 löste der umstrittene Aufsatz von Daryl Bem im Journal of Personality and Social Psychology eine Replikationskrise in der wissenschaftlichen Psychologie aus. Der Begriff bleibt nützlich, um subjektive Koinzidenzen zu beschreiben — an jemanden zu denken, kurz bevor er anruft —, die sich besser durch die kognitiven Verzerrungen der selektiven Erinnerung erklären lassen.