Aura
Die Aura ist in den esoterischen Traditionen ein subtiles Energiefeld, das den menschlichen Körper oder jedes Lebewesen umhüllen soll. Sie soll aus aufeinanderfolgenden Schichten bestehen, die der physischen, emotionalen, mentalen und spirituellen Dimension entsprechen.
Herkunft und Etymologie
Das Wort stammt vom lateinischen aura, was Hauch, Brise bedeutet, seinerseits aus dem griechischen aura entlehnt. In seinem heutigen esoterischen Sinn wird der Begriff Ende des 19. Jahrhunderts von der Theosophischen Gesellschaft kodifiziert, insbesondere in Thought-Forms (1901) von Annie Besant und Charles Webster Leadbeater. Diese Autoren beschreiben die Aura als für Hellseher sichtbar und als Trägerin von Hinweisen auf den inneren Zustand. Der Begriff knüpft an Nimben und Heiligenscheine der mittelalterlichen christlichen Ikonographie sowie an die energetischen Beschreibungen des hinduistischen Prana und des chinesischen Qi an. Die Kirlian-Fotografie, in den 1930er-Jahren vom Ehepaar Semjon und Walentina Kirlian entwickelt, hat die Vorstellung einer experimentellen Sichtbarmachung der Aura populär gemacht.
Entwicklung und Tradition
Die moderne Auratheorie unterscheidet in der Regel sieben übereinandergelegte Schichten, die den sieben Hauptchakren entsprechen. Die ätherische Schicht liegt eng am physischen Körper an, gefolgt von Emotional-, Mental-, Astral- und Kausalkörper und so fort. Diese Schichtung wurde von Barbara Brennan, einer Praktikerin der energetischen Heilarbeit, in Hands of Light (1987) kodifiziert. Die in der Aura wahrgenommenen Farben werden gedeutet: Rot für Vitalität, Gelb für Intellekt, Grün für Heilung, Blau für Kommunikation. Die seit den 1980er-Jahren vermarktete Aurafotografie (Polaroid von Guy Coggins) liefert farbige Bilder, deren diagnostischer Wert wissenschaftlich umstritten bleibt.
Praktische Anwendung
Die Wahrnehmung der Aura wird von Praktikern energetischer Heilarbeit, Magnetiseuren und Medien beansprucht. Die zum Sehen der Aura vorgeschlagenen Übungen bestehen meist darin, eine vor neutralem Hintergrund stehende Person zu fixieren und dabei die visuelle Fokussierung zu lockern. Was dabei wahrgenommen wird, gehört teilweise bekannten optischen Phänomenen an (Nachbild, komplementäres Nachbild). Auf Tarotoui ist die Aura unter den traditionellen spirituellen Begriffen dokumentiert. Die Praxis der Aurareinigung oder des Auraschutzes durch Visualisierung gehört zu den zeitgenössischen energetischen Techniken, oft mit Reiki und Meditation verbunden.
Zur Vertiefung
Die physische Existenz der Aura ist wissenschaftlich nicht belegt: Kontrollierte Tests mit angeblichen Auraseherinnen (insbesondere in den 2000er-Jahren) haben keine Wahrnehmungsfähigkeit jenseits des Zufalls bestätigt. Die Kirlian-Fotografie erfasst eine elektrische Koronaentladung, kein subtiles Feld. Das entwertet die Aura nicht als intuitive Metapher für die Präsenz eines Menschen, relativiert aber Ansprüche objektiver Messbarkeit.