Glossar Spiritualität

Chakra

Ein Chakra ist in den Traditionen des hinduistischen Yoga und Tantra ein Energiezentrum, das entlang der Wirbelsäulenachse des Subtilkörpers liegt. Das bekannteste System zählt sieben Chakras, vom Damm (Muladhara) bis zum Scheitel (Sahasrara).

Herkunft und Etymologie

Das Sanskritwort cakra bedeutet Rad oder Scheibe. Das Konzept erscheint in mittelalterlichen hinduistischen Tantra-Texten, insbesondere im Kubjikamatatantra (um 1000) und im Shat-chakra-nirupana (16. Jh.) von Purnananda. Die tantrische Lehre stellt die Chakras als Verbindungspunkte dar, an denen die Lebensenergie (Prana) zwischen den Nadis, den Energiekanälen des Subtilkörpers, zirkuliert. Die tibetisch-buddhistische tantrische Tradition kennt ein anderes System, gewöhnlich mit fünf Chakras. Die westliche Verbreitung des Konzepts datiert aus dem 19. Jahrhundert durch die Theosophen Helena Blavatsky und Charles Webster Leadbeater. Letzterer veröffentlicht 1927 The Chakras, das Werk, das die englischsprachige Version mit sieben Zentren festlegt und ihre Farbentsprechungen kodifiziert.

Entwicklung und Tradition

Das moderne westliche System der sieben Chakras ist weitgehend eine theosophische Konstruktion des 20. Jahrhunderts, teils untreu gegenüber den ursprünglichen tantrischen Quellen, die unterschiedliche Systeme beschreiben (4, 6, 9, 12 Chakras). Die sieben westlichen Chakras sind: Muladhara (Damm, rot), Svadhisthana (Kreuzbein, orange), Manipura (Sonnengeflecht, gelb), Anahata (Herz, grün), Vishuddha (Hals, blau), Ajna (Stirn, indigo), Sahasrara (Scheitel, violett). Dieses Regenbogenraster wurde von Christopher Hills in Nuclear Evolution (1968) und später von Anodea Judith in Wheels of Life (1987) populär gemacht. Die transpersonale Psychologie hat dazu beigetragen, jedem Chakra psychologische Themen zuzuordnen.

Praktische Anwendung

Die mit Chakras verbundenen Praktiken haben sich vervielfacht: geführte Meditationen über jedes Zentrum, Yogahaltungen, Mantras (Lam, Vam, Ram, Yam, Ham, Aum, Stille), Klang- und Farbarbeit. Reiki, energetisches Heilen und Magnetismus binden die Chakras als Interventionskarte ein. Auf Tarotoui sind die Chakras unter den klassischen spirituellen Begriffen dokumentiert. Entsprechungen zwischen Chakras und Tierkreiszeichen oder zwischen Chakras und Tarotkarten wurden vorgeschlagen, doch diese Raster sind moderne Erweiterungen ohne Anhalt in den ursprünglichen tantrischen Quellen.

Zur Vertiefung

Universitäre Indologen wie David Gordon White betonen, dass das populäre westliche System der sieben Chakras nicht die ursprüngliche tantrische Lehre ist, sondern eine synkretische theosophische Konstruktion. Die Chakras haben keine anatomische Existenz im physiologischen Sinn. Das entwertet nicht ihren metaphorischen Wert für eine Kartographie des Innenlebens, relativiert aber biomedizinische Ansprüche. Die Chakren-Praxis gewinnt, wenn sie in ihren historischen Kontext gestellt wird.

Synonyme und verwandte Begriffe : cakra, Energierad, Subtilzentrum, padma