Glossar Orakel

Hexagramm

Ein Hexagramm ist im Kontext des chinesischen Orakels eine Figur aus sechs übereinandergestapelten Linien, durchgezogen oder unterbrochen, die eine der 64 Kombinationen des Yi Jing (Buch der Wandlungen) bildet. Jedes Hexagramm trägt einen Namen, ein Bild und einen Kommentar.

Herkunft und Etymologie

Das Wort stammt vom griechischen hexa (sechs) und gramma (Buchstabe, Zeichnung). Die 64 Hexagramme des Yi Jing werden von der chinesischen Tradition Fu Xi zugeschrieben, einem mythischen Herrscher des 3. Jahrtausends v. u. Z., später König Wen und seinem Sohn, dem Herzog von Zhou im 11. Jahrhundert v. u. Z. Die Kommentare (die Zehn Flügel) werden Konfuzius im 6. Jahrhundert v. u. Z. zugeschrieben, auch wenn moderne Datierungen ihre Abfassung zwischen das 4. und das 2. Jahrhundert v. u. Z. setzen. Die Hexagramme bestehen aus zwei übereinanderliegenden Trigrammen, wobei jedes Trigramm eine der acht möglichen Anordnungen von drei Strichen ist. Diese doppelte Strukturierung ergibt die 64 Figuren (8 × 8).

Entwicklung und Tradition

Das Yi Jing ist eines der fünf Klassiker des Konfuzianismus, sein Geltungsbereich reicht jedoch über diese Schule hinaus. Die taoistische Tradition, insbesondere Wang Bi im 3. Jahrhundert n. u. Z., schlägt eine kosmologische Lesart vor. Die jesuitischen Missionare in China, etwa Joachim Bouvet im 17. Jahrhundert, sind von der binären Struktur der Hexagramme fasziniert, die sie Gottfried Wilhelm Leibniz übermitteln: Dieser erkennt darin eine Vorform des von ihm entwickelten Binärkalküls. Im Westen löst die Übersetzung von Richard Wilhelm 1924, 1949 mit einem Vorwort von Carl Gustav Jung versehen, die Verbreitung des Yi Jing in esoterischen und psychologischen Kreisen aus.

Praktische Anwendung

Die Befragung des Yi Jing besteht darin, durch das Werfen von Münzen oder Schafgarbenstängeln ein oder zwei Hexagramme zu gewinnen und anschließend die zugehörigen Kommentare zu lesen. Die traditionelle Methode mit 50 Schafgarbenstängeln liefert eine andere Wahrscheinlichkeitsverteilung als die Methode mit drei Münzen. Wandellinien verweisen auf laufende Umformungen, die ein zweites Hexagramm hervorbringen. Auf Tarotoui ist die Befragung des Yi Jing mit Zufallsgenerierung eines Hexagramms und einer Kommentarkarte verfügbar. Carl Gustav Jung schlägt in seinem Vorwort von 1949 eine Lesart über Synchronizität vor.

Zur Vertiefung

Der Begriff Hexagramm ist mehrdeutig: Im Westen bezeichnet er auch den sechsstrahligen Stern des Salomonssiegels oder des Davidsterns, ohne Bezug zum Yi Jing. Für diese geometrische Bedeutung siehe den Eintrag Sternhexagramm. Beachten Sie zudem, dass die moderne Lesart über Synchronizität, die Jung vorschlägt, nicht der traditionellen chinesischen, eher mantischen Lesart entspricht. Beide Zugänge bestehen in der heutigen Praxis nebeneinander.

Synonyme und verwandte Begriffe : Yi Jing, I Ching, 64 Hexagramme, gua, Buch der Wandlungen