Rutengehen
Die Radiästhesie ist eine Aufspürpraxis mit einem schwingenden Instrument (Pendel, Wünschelrute, Y-Gabel), das auf gesuchte Informationen reagieren soll: unterirdisches Wasser, verlorene Gegenstände, Gesundheitszustand, Antwort auf eine Frage.
Herkunft und Etymologie
Das Wort wurde 1930 von Abbé Alex Bouly aus dem lateinischen radius (Strahl) und dem griechischen aisthesis (Wahrnehmung) geprägt. Die Praxis selbst ist viel älter. Die Rhabdomantie (vom griechischen rhabdos, Stab) ist bei Herodot im 5. Jahrhundert v. u. Z. bei den Skythen belegt. Die Wassersuche mit der Rute ist in Westeuropa seit dem 15. Jahrhundert dokumentiert, insbesondere in den deutschen Bergwerken des Harzes, die Georgius Agricola in De Re Metallica (1556) beschreibt. Das Pendel als Instrument entwickelt sich im 19. Jahrhundert, popularisiert durch Abbé Mermet (1866-1937), einen Schweizer Priester und Radiästhesisten, der in Comment j'opère (1934) eine systematische Methode kodifiziert.
Entwicklung und Tradition
Die moderne Radiästhesie verzweigt sich im 20. Jahrhundert. Die medizinische Radiästhesie, insbesondere von Abbé Mermet geübt, beansprucht das Aufspüren organischer Funktionsstörungen. Die mentale Radiästhesie oder Teleradiästhesie, von Mermet und später Antoine de Belizal entwickelt, dehnt die Praxis durch mentale Projektion auf entfernte Ziele aus. Standardisierte radiästhetische Skalen erlauben es dem Pendel, eine Antwort unter vorbereiteten Optionen anzuzeigen. Seit den 1940er-Jahren durchgeführte kontrollierte wissenschaftliche Tests, insbesondere die Münchner Studie Hans-Dieter Betz' von 1989, haben keine über den Zufall hinausgehende Aufspürfähigkeit bestätigt.
Praktische Anwendung
Die gängige Praxis verwendet ein Pendel (Kristall, Metall oder Holz), das über einer Skala, einer Karte oder einem Gegenstand gehalten wird. Das Pendel schwingt als Antwort auf unwillkürliche Mikrobewegungen der Hand (ideomotorischer Effekt), die als symbolische Antwort gedeutet werden. Auf Tarotoui ist die Radiästhesie unter den divinatorischen Praktiken dokumentiert. Eine typische Sitzung beginnt mit der Eichung des Pendels (Festlegen der Ja-/Nein-Schwingungen) und der Formulierung einer klaren Frage. Die Praxis eignet sich für binäre Fragen oder die Wahl unter wenigen Optionen. Sie wird auch für die Suche nach Wasser oder Gegenständen verwendet.
Zur Vertiefung
Kontrollierte Studien führen die Ergebnisse der Radiästhesie auf den ideomotorischen Effekt zurück: unwillkürliche Mikrobewegungen, die unbewusste Erwartungen der Bedienenden widerspiegeln. Die Radiästhesie bleibt daher eher ein Werkzeug zum Dialog mit der eigenen Intuition als eine objektive außersinnliche Wahrnehmung. Beachten Sie auch, dass die medizinische Radiästhesie in Frankreich zur Diagnose verboten ist und als unerlaubte Ausübung der Heilkunde gilt.