Kartomantie
Die Kartomantie ist die Kunst der Wahrsagung mit Karten. Sie umfasst den divinatorischen Gebrauch von Tarot, Lenormand, gewöhnlichen Spielkarten und jedem für symbolische Legungen entworfenen Orakeldeck.
Herkunft und Etymologie
Das Wort kombiniert das französische carte mit dem griechischen manteia (Wahrsagung). Spielkarten erscheinen in Europa Ende des 14. Jahrhunderts, eingeführt aus den ägyptischen Mamlukenkarten über venezianische und katalanische Handelswege. Der systematisch divinatorische Gebrauch von Karten setzt später ein, am Ende des 18. Jahrhunderts. Jean-Baptiste Alliette, genannt Etteilla (1738-1791), gilt als Begründer der modernen westlichen Kartomantik: 1770 veröffentlicht er Etteilla, ou manière de se récréer avec un jeu de cartes und entwickelt ab 1788 einen strukturierten divinatorischen Tarotgebrauch. Court de Gébelin stößt 1781 in Le Monde primitif zugleich die esoterische Deutung des Tarots an.
Entwicklung und Tradition
Das 19. Jahrhundert ist die Blütezeit der französischen Kartomantik mit Mademoiselle Lenormand (1772-1843), Kartenlegerin Joséphines de Beauharnais. Das Kleine Lenormand und das Belline-Orakel festigen das Angebot der französischsprachigen divinatorischen Decks. Parallel entwickelt sich die angelsächsische Tradition mit Arthur Edward Waite und dem von Pamela Colman Smith illustrierten Rider-Waite-Deck (1909) sowie dem Thoth-Tarot Aleister Crowleys (1944). Das 20. Jahrhundert bringt die massive Verbreitung der Kartomantik in der Populärkultur, das 21. Jahrhundert die Vervielfachung thematischer Orakel. Die Kartomantik ist nach wie vor eine der am meisten praktizierten Formen zeitgenössischer Divination.
Praktische Anwendung
Die praktische Kartomantik benötigt ein Deck, einen ruhigen Rahmen und ein Legungsprotokoll. Der Fragende stellt eine Frage, mischt die Karten, zieht je nach Protokoll eine bestimmte Anzahl (eine, drei, fünf, zehn ...) und deutet jede Karte gemäß ihrer Position in der Legung und ihrer traditionellen Bedeutung. Auf Tarotoui sind mehrere Kartomantie-Decks verfügbar: Tarot de Marseille, Rider-Waite, Lenormand, Belline, thematische Orakel. Die Wahl des Decks hängt von der Sensibilität der Praktizierenden und der Art der Frage ab. Viele heutige Kartenleger vertreten eher einen reflexiven als einen prädiktiven Ansatz.
Zur Vertiefung
Kartomantik und Tarot zu verwechseln, ist ein häufiger Fehler: Das Tarot ist nur ein Deck-Typ unter anderen, die Kartomantik ist die übergeordnete Kunst. Beachten Sie auch, dass die Kartomantik in Frankreich rechtlich über den Betrugstatbestand reguliert wird: Eine Kartenlegerin, die die Leichtgläubigkeit eines Fragenden ausnutzt, kann strafrechtlich verfolgt werden. Die berufliche Praxis verlangt daher ethische Strenge und ehrliche Aufklärung über den symbolischen Charakter der Tätigkeit.