Geomantie
Die Geomantie ist eine Wahrsagekunst, die Figuren aus vier Reihen mit je einem oder zwei Punkten deutet, traditionell in Sand oder Erde gezeichnet. Sie verbindet 16 Grundfiguren, die in einem Schema mit sechzehn Positionen angeordnet sind.
Herkunft und Etymologie
Das Wort stammt vom griechischen gê (Erde) und manteia (Wahrsagung). Der Ursprung der klassischen Geomantie ist arabisch, unter dem Namen ilm al-raml (Wissenschaft des Sandes). Sie entwickelt sich im 9. Jahrhundert in der muslimischen Welt, wird traditionell dem Propheten Idris zugeschrieben und im 12. Jahrhundert von Autoren wie Abu Abd Allah Muhammad al-Zanati kodifiziert. Sie gelangt im 12. Jahrhundert über die Übersetzungen von Toledo nach Lateineuropa: Hugo von Santalla übersetzt um 1140 eine geomantische Abhandlung, gefolgt von Bernhard von Gordon und Gerhard von Cremona. Robert Fludd und Heinrich Cornelius Agrippa von Nettesheim systematisieren die westliche Geomantie im 16. Jahrhundert in ihren Abhandlungen zur okkulten Philosophie.
Entwicklung und Tradition
Die Geomantie beruht auf 16 Figuren, die vier Reihen mit je einem oder zwei Punkten kombinieren, das heißt 2 × 2 × 2 × 2 = 16 Kombinationen. Jede Figur trägt einen Namen (Via, Populus, Carcer, Fortuna Major usw.), eine planetare und tierkreislich Zuordnung sowie eine Bedeutung. Die klassische Methode besteht darin, Punktreihen zufällig in den Sand zu zeichnen, sie paarweise zu verbinden, um die vier Mütter zu bilden, und daraus die Töchter, die Nichten, die Zeugen und den Richter abzuleiten — insgesamt 16 Positionen. Die chinesische Geomantie (Feng Shui) und die afrikanische Geomantie (Ifá aus Benin und Nigeria, gestützt auf 256 Figuren) sind eigenständige, aber strukturell verwandte Traditionen.
Praktische Anwendung
Die heutige Geomantie kann mit vierseitigen Würfeln, Kieseln, spezialisierten Karten oder einfach mit Stift gezeichneten Punkten geübt werden. Der Fragende stellt eine Frage, erzeugt die Figuren durch Zufall und liest dann das vollständige Tableau nach den Positionen. Auf Tarotoui ist die Geomantie als klassisches divinatorisches System unter den mantischen Künsten dokumentiert. Die Praxis verlangt das Erlernen der 16 Figuren und ihrer Wechselwirkungen, was für Einsteiger anspruchsvoller ist als die Kartomantik. Sie eignet sich besonders für präzise und sachliche Fragen.
Zur Vertiefung
Die westliche Geomantie und die afrikanische Ifá-Geomantie teilen eine binäre Grundstruktur, haben aber unterschiedliche Geschichten. Beide zu verwechseln, ist eine Vereinfachung. Beachten Sie zudem, dass das Wort Geomantie im heutigen Französisch mitunter missbräuchlich für das chinesische Feng Shui verwendet wird, das eher eine Disziplin der Raumgestaltung als eine Wahrsagekunst im strengen Sinn ist. Die jeweiligen Kontexte sind zu präzisieren.