Rhabdomantie
Die Rhabdomantie ist eine Weissagung oder Detektionstechnik, die mit Hilfe einer Rute, traditionell aus gegabeltem Holz (Haselnuss, Hasel), ausgeübt wird. Sie dient dem Aufspüren unterirdischer Wasservorkommen, von Metallen, verlorenen Gegenständen oder gar der Beantwortung von Fragen. Sie ist der unmittelbare Vorläufer der modernen Radiästhesie.
Herkunft und Etymologie
Der Begriff Rhabdomantie stammt vom griechischen rhabdos (Rute, Stab) und manteia (Weissagung). Herodot beschreibt im 5. Jahrhundert v. u. Z. in seinen Historien (IV, 67) die Praxis bei den Skythen, die Ruten für ihre Orakel nutzten. Die Bibel erwähnt den Stab des Mose, der Wasser aus dem Felsen schlug (4. Mose 20,11), und den Aarons. Im Mittelalter verwurzelt sich die Praxis in den deutschen Bergbaugebieten. Der Bergmann Georgius Agricola beschrieb in De Re Metallica (1556) detailliert den Gebrauch der virgula divina durch die Erzsucher, äußerte dabei jedoch Skepsis. Der große Fall Aymar Vernay in Lyon 1692, bei dem ein Rutengänger ein Verbrechen mit Hilfe einer Rute aufzuklären beanspruchte, zog die Aufmerksamkeit des Hofes auf sich und entfachte die wissenschaftliche Debatte.
Entwicklung und Tradition
Im 19. Jahrhundert popularisierten der Abbé Alexis Bouly und der Abbé Alexis Mermet in Frankreich den Gebrauch des Pendels und der Rute zur Ferndetektion und nannten ihre Methode zu Beginn des 20. Jahrhunderts Radiästhesie (von radius, Strahl, und aisthêsis, Empfindung). Die Praxis professionalisierte sich und brachte eine echte französische Schule hervor: Henri Mager, Yves Rocard (Physiker an der Académie des Sciences) — der in Le Signal du sourcier (1962) eine magneto-perzeptive Hypothese vorschlug. Die Rhabdomantie wird heute noch in manchen ländlichen Regionen zur Wassersuche vor Bohrungen verwendet, trotz fehlender wissenschaftlicher Bestätigung.
Praktische Anwendung
Das traditionelle Material ist eine Haselrute in Y-Form, an den beiden Armen des Y gehalten, mit der Spitze nach vorn. Der Rutengänger schreitet langsam über das Gelände; die Rute soll sich neigen, wenn sie eine Grundwasserschicht überfliegt. Moderne Varianten verwenden zwei L-förmige Metallruten, parallel gehalten: Ihr Überkreuzen soll das Vorhandensein von Wasser anzeigen. Das Pendel wiederum schwingt nach einem zuvor festgelegten Code (ja/nein, im oder gegen den Uhrzeigersinn). Auf Tarotoui ist die Rhabdomantie keine zentrale Praxis, doch sie veranschaulicht, wie körperliche Sensibilität als intuitiver Indikator dienen kann.
Zur Vertiefung
Der derzeitige wissenschaftliche Konsens ist sehr eindeutig. Die Metaanalysen, namentlich die deutsche Studie unter Leitung von Hans-Dieter Betz in München (1986-1991) — zunächst als günstig dargestellt, dann scharf kritisiert — und die von James Randi durchgeführten Doppelblindtests sind zu dem Schluss gelangt, dass kein über den Zufall hinausgehender Effekt vorliegt. Die Bewegungen der Rute erklären sich durch den ideomotorischen Effekt. Das hindert manche Rutengänger nicht daran, bisweilen gute Ergebnisse zu erzielen, wo Geländeerfahrung und Landschaftslesung oft genügen, um Wasser zu lokalisieren.