Glossar Symbolik

Mandala

Ein Mandala ist in den hinduistischen und buddhistischen Traditionen eine meist kreisförmige geometrische Darstellung, die um eine Mitte herum organisiert ist und als Träger für Meditation, Ritual oder die Visualisierung der kosmischen Struktur dient.

Herkunft und Etymologie

Das Sanskritwort mandala bedeutet Kreis, bezeichnet aber weiter gefasst einen geweihten Raum, ein rituelles Diagramm oder eine Konfiguration. Hinduistische Mandalas erscheinen in alten vedischen Ritualen (um 1500 v. u. Z.) als Boden-Zeichnungen für Opferhandlungen. Der tantrische Buddhismus entfaltet ab dem 7.-8. Jahrhundert n. u. Z. eine ausgefeilte Mandala-Ikonographie, kodifiziert in Texten wie dem Mahavairocana-Sutra. Die tibetischen Mandalas der Vajrayana-Schulen, besonders die Sand-Mandalas (dul-tson-kyil-khor) der Gelugpa-Mönche, sind die kunstvollsten: Sie stellen den Wohnsitz einer tantrischen Gottheit und die Struktur des Universums dar und werden nach ihrer Vollendung rituell zerstört.

Entwicklung und Tradition

Tibetisch-buddhistische Mandalas zeigen typischerweise einen Palast mit vier Toren, an den Himmelsrichtungen ausgerichtet, in dessen Mitte eine Schutzgottheit wohnt (Kalachakra, Avalokiteshvara, Hevajra). Carl Gustav Jung entdeckt Mandalas in den 1920er-Jahren und übernimmt sie als archetypischen Ausdruck des Selbst. Er beschreibt in Kommentar zum Geheimnis der Goldenen Blüte (1929) und in Über Mandalasymbolik (postum 1955), wie seine Patientinnen sie in Phasen psychischer Strukturbildung spontan hervorbringen. Die westliche Auslegung des Mandalas als Zentrierungshilfe ist später als die akademische Einführung des Begriffs (Tucci, Eliade, Snellgrove).

Praktische Anwendung

Die heutigen Verwendungen des Mandalas sind vielfältig. Die traditionelle Meditation bedeutet die ausführliche Visualisierung des Diagramms und seiner Gottheiten. Die jungsche analytische Psychologie schlägt freies Mandala-Zeichnen als therapeutische Übung vor. Das Ausmalen vorgedruckter Mandalas verbreitet sich seit den 2010er-Jahren als Antistress-Praxis, mitunter weit von den tantrischen Quellen entfernt. Auf Tarotoui ist das Mandala unter den strukturierenden spirituellen Symbolen dokumentiert. Die zentrierte Kreisstruktur des Mandalas erhellt die Lesung mancher Tarotkarten, namentlich die Welt (XXI), die eine in einem ovalen Kranz tanzende Gestalt zeigt.

Zur Vertiefung

Das zeitgenössische Mandala in therapeutischer oder dekorativer Verwendung unterscheidet sich weitgehend vom rituellen tantrischen Mandala, dessen Gebrauch Einweihung und Begleitung verlangt. Beide zu verwechseln, ist eine Vereinfachung. Das Mandala ist auch kein bloßes dekoratives Ornament: Es trägt in seinem ursprünglichen Kontext eine bestimmte Kosmologie. Beachten Sie auch, dass hinduistisch-tantrische Mandalas (Yantras) gelegentlich technisch von buddhistischen unterschieden werden, auch wenn sie einen gemeinsamen Grund teilen.

Synonyme und verwandte Begriffe : heiliger Kreis, rituelles Diagramm, yantra, buddhistisches Mandala, Kosmogramm