Glossar Tarot

Lenormand

Das Lenormand ist ein divinatorisches Kartendeck mit 36 Blättern, das Alltagsszenen abbildet und sich vom Tarot unterscheidet. Sein Name geht auf die französische Kartomantin Marie Anne Lenormand (1772-1843) zurück, auch wenn das Deck ihr erst nach ihrem Tod zugeschrieben wurde.

Herkunft und Etymologie

Marie Anne Lenormand, genannt die Sibylle des Faubourg Saint-Germain, war eine Pariser Kartenlegerin von großer Berühmtheit zur Zeit des Konsulats und des Kaiserreichs. Sie soll Joséphine de Beauharnais, Robespierre und Marat beraten haben. Das Deck, das ihren Namen trägt, wurde jedoch erst nach ihrem Tod veröffentlicht, um 1846 in Leipzig, unter dem Titel Petit Lenormand. Es lehnt sich an das Spiel der Hoffnung an, ein deutsches Gesellschaftsspiel von Johann Kaspar Hechtel aus dem Jahr 1799, das Gänsespiel und divinatorische Symbole verband. Die unmittelbare Verbindung zur Kartomantin bleibt somit posthum und vermarktungsbedingt, doch das Deck hat sich europaweit unter diesem Namen durchgesetzt.

Entwicklung und Tradition

Zwei Versionen bestehen nebeneinander: das seltenere Große Lenormand mit 54 Karten und das weiter verbreitete Kleine Lenormand mit 36 Karten. Die 36 Karten des Kleinen Lenormand tragen je ein Bild (Reiter, Klee, Schiff, Haus, Baum, Wolken usw.), eine Nummer und eine zugeordnete Spielkarte. Die deutschsprachige Tradition, besonders in Deutschland und der Schweiz, hat das Lenormand bis heute lebendig erhalten, mit Autorinnen wie Iris Treppner. Die englischsprachige Wiederbelebung datiert aus den 2010er-Jahren, vorangetrieben von Autorinnen wie Caitlín Matthews und Sylvie Steinbach.

Praktische Anwendung

Das Lenormand wird ganz anders gelesen als das Tarot: Die Karten verbinden sich paarweise oder in Rastern, und jedes Bild trägt eine viel konkretere und festere Bedeutung als die Arkana des Tarots. Die Legung Großes Tableau, bei der die 36 Karten in einem Raster von 8 × 4 oder 9 × 4 ausgelegt werden, eröffnet einen Panoramablick auf das Leben des Fragenden. Kurze Legungen (drei oder fünf Karten) beantworten punktuelle Fragen. Auf Tarotoui wird das Lenormand als Ergänzung zum Tarot mit eigenen Protokollen angeboten. Viele Praktizierende empfinden das Lenormand als direkter und sachlicher.

Zur Vertiefung

Die Zuschreibung des Decks an Mademoiselle Lenormand ist eine kommerzielle Legende des 19. Jahrhunderts. Das tatsächlich von der Kartomantin verwendete Deck — sofern es existierte — ist nicht zuverlässig bekannt: Eher schreibt man ihr den Gebrauch gewöhnlicher Spielkarten und eines Grand Jeu mit anderen Symbolen zu. Beachten Sie zudem, dass sich das Lenormand nicht auf prädiktive Wahrsagung beschränkt: Immer mehr Praktizierende nutzen es, um innere Dynamiken zu beschreiben.

Synonyme und verwandte Begriffe : Kleines Lenormand, Großes Lenormand, Mademoiselle Lenormand, 36-Karten-Deck