Transit
Ein Transit ist in der Astrologie der Durchgang eines aktuell laufenden Planeten über einen Tierkreisgrad oder über einen Planeten eines Geburtshoroskops. Transite dienen dazu, die Entwicklung einer Situation im Zeitverlauf zu untersuchen.
Herkunft und Etymologie
Das Wort stammt vom lateinischen transitus, das Durchgang bedeutet. Der astrologische Gebrauch reicht mindestens bis in die Spätantike zurück. Claudius Ptolemäus erwähnt im 2. Jahrhundert in der Tetrabiblos die planetaren Durchgänge bereits als Hinweisgeber bedeutsamer Lebensmomente. Die mittelalterliche arabische Tradition mit Albumasar (787-886) entwickelt die Transittechnik als Prognoseinstrument. In der Renaissance systematisiert Jean-Baptiste Morin de Villefranche die Transitlehre in seiner postum 1661 veröffentlichten Astrologia Gallica. Die Technik bleibt in allen modernen Schulen zentral.
Entwicklung und Tradition
Transite werden berechnet, indem die aktuelle Position der Planeten über das Geburtshoroskop gelegt wird. Transite schneller Planeten (Mond, Merkur, Venus, Sonne, Mars) markieren kurze Momente, beim Mond bisweilen nur wenige Stunden. Transite langsamer Planeten (Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun, Pluto) erstrecken sich über Monate oder Jahre und strukturieren Lebensetappen. Die Saturnwiederkehr um das 29.-30. Lebensjahr und ihre zweite Wiederholung um das 58.-60. sind sinnbildliche Transite, die Liz Greene in Saturn (1976) untersucht. Der Durchgang Uranus in Opposition zur Natalposition um das 40.-42. Lebensjahr markiert die Midlife-Crisis.
Praktische Anwendung
Die prognostische Astrologie stützt sich weitgehend auf das Studium der Transite, kombiniert mit anderen Techniken (Progressionen, Direktionen, Profektionen). Eine Astrologin analysiert die aktuellen und kommenden Transite auf Natalplaneten und Achsenpunkte, um die laufenden Dynamiken zu verstehen. Auf Tarotoui lassen sich Transite zu jedem vergangenen, gegenwärtigen oder zukünftigen Zeitpunkt berechnen und mit dem Geburtshoroskop verschränken. Die Genauigkeit moderner Ephemeriden (Swiss Ephemeris, JPL) erlaubt Berechnungen sekundengenau. Eine gute Transitlesart verbindet den laufenden Planeten, den gebildeten Aspekt und den getroffenen Natalplaneten.
Zur Vertiefung
Transit mit Schicksal zu verwechseln, ist eine populäre Verzerrung. Ein Transit beschreibt eine wirkende Dynamik im Leben einer Person, kein unausweichliches Ereignis. Dieselbe Konfiguration kann sich je nach Lebenskontext, Bewusstseinsgrad und verfügbaren Ressourcen sehr unterschiedlich übersetzen. Beachten Sie auch, dass ein einzelner Transit wenig Gewicht hat: Erst das Zusammentreffen mehrerer Transite weist auf wirklich bedeutsame Phasen hin.