Dekan
Ein Dekan ist eine Unterteilung jedes Tierkreiszeichens in drei Unterperioden von 10 Grad, also 36 Dekane für den gesamten Tierkreis. Jeder Dekan erhält einen planetaren Mitherrscher, der den Ausdruck des Hauptzeichens nuanciert und präzisiert.
Herkunft und Etymologie
Der Begriff Dekan stammt vom griechischen dekanos, abgeleitet von deka (zehn). Das System hat seinen Ursprung in der ägyptischen Astronomie des dritten Jahrtausends vor unserer Zeitrechnung: Die Ägypter identifizierten 36 Sterne oder Sternengruppen, die jeweils zu einem bestimmten Zeitpunkt des Jahres aufgingen und der Messung der Nachtstunden dienten. Die ersten Dekan-Diagramme finden sich auf Sarkophagdeckeln der 12. Dynastie (um 2000 v. u. Z.). Das System wurde durch Teukros von Babylon (1. Jahrhundert) in die hellenistische Astrologie integriert und dann in den Hermetica neu formuliert. Firmicus Maternus bot im 4. Jahrhundert in der Mathesis eine vollständige lateinische Darstellung.
Entwicklung und Tradition
Zwei Hauptzuordnungen existieren nebeneinander. Die chaldäische Verteilung, von Ptolemäus kodifiziert, weist die Dekane den sieben traditionellen Planeten in der Reihenfolge ihrer geozentrischen Geschwindigkeit zu: Saturn, Jupiter, Mars, Sonne, Venus, Merkur, Mond. Die in der modernen Astrologie verbreitete Triplizitätsverteilung weist jedem Dekan einen Planeten derselben Triplizität (desselben Elementes) zu. So werden die drei Dekane des Löwen (Feuerelement) von Sonne, Jupiter und Mars beherrscht. Im 20. Jahrhundert verbinden der Okkultismus der Golden Dawn und Aleister Crowley die 36 Dekane mit den 36 nummerierten Kleinen Arkana (von der 2 bis zur 10), ein Raster, das im Thoth-Tarot übernommen wurde.
Praktische Anwendung
Um Ihren Dekan zu bestimmen, ermitteln Sie die genaue Position Ihrer Geburts-Sonne in Grad innerhalb des Zeichens. Sind Sie Widder 5°, gehören Sie zum ersten Dekan, beherrscht von Mars (dem Hauptherrscher). Widder 15° fällt in den zweiten Dekan (Sonne in Triplizität) und Widder 25° in den dritten (Jupiter). Diese Präzision verfeinert die Deutung: Ein Löwe im ersten Dekan, doppelt solar, wird als besonders strahlend gelesen; ein Löwe im zweiten Dekan, unter Jupiter-Einfluss, als ausgreifender. Auf Tarotoui ermöglicht die Anwendung der 36 Dekane auf die Kleinen Arkana eine feine astrologische Deutung Ihrer Legung.
Zur Vertiefung
Die beiden Systeme — chaldäisch und Triplizität — sind nicht gleichwertig und liefern bisweilen widersprüchliche Ergebnisse. Die hellenistische Tradition (Vettius Valens, Dorotheos von Sidon) kennt zudem dekanische Gesichter (faciès), die mit symbolischen Bildern verbunden sind und in den 1990er Jahren durch die traditionelle Astrologie (Robert Hand, Chris Brennan) wiederentdeckt wurden. Die Ikonographie der Dekane prägte die Renaissance-Kunst, namentlich den berühmten Freskenzyklus des Palazzo Schifanoia in Ferrara (1469-1470).